Arzt misst den Blutdruck eines Patienten

Beta-Thalassämie behandeln

Wie wird die Beta-
Thalassämie behandelt?

Welche Beta-Thalassämie-Therapien zum Einsatz kommen, hängt von vielen individuellen Faktoren ab.

Abhängig von Deinen Bedürfnissen und Wünschen, wird Dein Behandlungsteam Dir die bestmögliche Behandlung zusammenstellen. Wichtig: Es gibt immer mehr als nur den einen Weg und nicht DIE eine Beta-Thalassämie-Therapie. Die optimale Behandlung hängt von den individuellen Symptomen und Deinen Lebensumständen ab. Hast Du Fragen zu Deiner Behandlung? Such das Gespräch mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt. Falls Du einen Spezialisten für Beta-Thalassämie suchst, kann Dir auch eine Patientenorganisation Ärztinnen und Ärzte in Deiner Nähe nennen.

Die folgenden Ansätze, die eine Beta-Thalassämie behandeln, sind möglich – nicht nur einzeln, sondern auch in Kombination:

Gaia, Betroffene mit Beta-Thalassämie major, im Gespräch

Gaia, Betroffene mit Beta-Thalassämie major, aus Italien

    Menschen mit transfusionsabhängiger Beta-Thalassämie (Beta-Thalassämie major) brauchen regelmäßig Bluttransfusionen, während Personen mit nicht transfusionsabhängiger Beta-Thalassämie (Beta-Thalassämie intermedia) in größeren Abständen oder sogar zeitlich unregelmäßig oder nur bei Bedarf Bluttransfusionen benötigen.1 Die Ziele dieser Bluttransfusionen sind zum einen eine effektive und sichere Bereitstellung von ausreichend roten Blutkörperchen sowie gleichzeitig die Belastung der Betroffenen durch die Beta-Thalassämie-Therapie im Alltag so klein wie möglich zu halten.1

    Das Knochenmark gesunder Menschen kann für eine ausreichende Menge an roten Blutkörperchen sorgen, da es permanent neue Blutkörperchen nachbilden kann. Der natürliche Abbau und die Neubildung der Blutkörperchen sorgen dafür, dass ihre Menge auf einem gleichbleibenden Niveau bleibt. Bei Betroffenen mit Beta-Thalassämie geht das nicht: Sie werden durch Transfusionen auf eine ausreichende und verträgliche Menge (Hämoglobin (Hb)-Wert von 13–14g/dL nach der Transfusion2) gesunder roter Blutkörperchen eingestellt.

    Der Hb-Wert (Hämoglobin-Wert) ist ein Wert, den man mit einer Blutprobe bestimmen kann. Er gibt Auskunft darüber, wie viele rote Blutkörperchen zum Zeitpunkt der Blutentnahme vorhanden waren.

    Man darf nicht zu viel Blut auf einmal übertragen – denn zu viel Blut ist auch schlecht für den Körper.

    Ab dem Zeitpunkt der Transfusion verbraucht der Körper wieder die roten Blutkörperchen und der Hb-Wert sinkt. Eine neue Transfusion wird bei Betroffenen mit Beta-Thalassämie major für gewöhnlich geplant, wenn der Hb-Wert unter 9–10 g/dL liegt.2

    Rote Blutkörperchen werden ungefähr 120 Tage alt.

    An Beta-Thalassämie Erkrankte bilden zu wenige neue rote Blutkörperchen und die, die nachgebildet werden, sind oft instabil und funktionieren schlechter. Dadurch ist die Transportleistung für Sauerstoff im Körper geringer als bei gesunden Menschen und die Organe werden mit zu wenig Sauerstoff versorgt. Man spricht von einer Blutarmut (Anämie) mit der Folge, dass Betroffene sich energielos fühlen und dauerhaft müde sind – aber eben zum Beispiel auch Herzprobleme bekommen können.3 Im Fall der Beta-Thalassämie ist die Bluttransfusion lebensnotwendig.2 Bei regelmäßigen Bluttransfusionen kommt es als Nebenwirkung zu einer behandlungsbedürftigen Überladung des Körpers mit Eisen, da dem Körper mit jeder Transfusion weiteres Eisen gebunden in den roten Blutkörperchen zugeführt wird.1

    Die Bluttransfusionen selbst finden in spezialisierten medizinischen Zentren unter Aufsicht statt. Vor der Transfusion durchläuft das Transfusionsblut natürlich eine Qualitätskontrolle. Ferner muss der Empfänger des Blutes einige Tests durchlaufen, um sicherzustellen, dass das Blut passt, und auch, um eine Alloimmunisierung zu verhindern. Denn: Blut ist nicht gleich Blut. Es gibt verschiedene sogenannte Marker, die von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein können. Die Blutgruppen sind zum Beispiel solche Marker. Und jeder Mensch sollte nur Spenderblut bekommen, bei dem die Marker des Spenderbluts gut zu den eigenen Markern passen, um eine Alloimmunisierung zu vermeiden.

    Bei einer Alloimmunisierung entwickelt der eigene Körper Abwehrmechanismen gegenüber Strukturen eines anderen Individuums derselben Spezies, d.h., im Fall von Beta-Thalassämie versucht der Körper, das Spenderblut aus Bluttransfusionen abzuwehren. Man spricht dabei von ungewollten Transfusionsreaktionen.

    Regelmäßige Bluttransfusionen zu bekommen, bedeutet, viel Zeit im Krankenhaus zu verbringen. Krankenhausbesuche nerven, müssen aber leider sein – bei der transfusionsabhängigen Beta-Thalassämie sind regelmäßige Bluttransfusionen ein notwendiger Teil der Beta-Thalassämie-Therapie. Bleib zuversichtlich und tausche Dich mit anderen Betroffenen aus. Schau doch mal im Internet bei einer Patientenorganisation vorbei. Dort kannst Du Dir vielleicht Tipps holen, wie Du den Krankenhausbesuch positiver gestalten kannst.

     
     
     
     
      Therapie der Eisenüberladung mit Eisenchelatoren

      Es gibt verschiedene Gründe, warum Menschen mit transfusionsabhängiger oder nicht transfusionsabhängiger Beta-Thalassämie einen zu hohen Eisengehalt im Körper entwickeln können (die sogenannte Eisenüberladung). Meist geschieht dies, wenn über einen längeren Zeitraum hinweg mehr Eisen aufgenommen wird, als der Körper wieder abgibt.1 Der Körper benötigt das Eisen, um z.B. rote Blutkörperchen zu bilden, die dann circa 120 Tage im Körper sind, bevor sie absterben. Ein gesunder Mensch mit normaler Ernährung nimmt ungefähr 10–20 mg Eisen am Tag zu sich, von denen 1–2 mg vom Darm aufgenommen werden. Der Rest wird ungenutzt direkt wieder ausgeschieden.4

      Gesunde Frauen haben im Schnitt 3 g und gesunde Männer 4 g Eisen im Körper.5

      • Durch regelmäßige Bluttransfusionen werden vor allem bei Betroffenen mit Beta-Thalassämie major von außen zusätzliche rote Blutkörperchen mit ebenfalls zusätzlichem Eisen zugeführt. Nach dem Zerfall dieser roten Blutkörperchen bleibt freies Eisen im Körper zurück und es findet eine Eisenüberladung statt. Mit jeder lebensnotwendigen Transfusion kommt neues Eisen hinzu.1 Man nennt diese Überladung eine primäre Hämochromatose.6
      • Bei Betroffenen mit Beta-Thalassämie intermedia kommt es häufig zu einer sekundären Hämochromatose. Das bedeutet, der Körper nimmt mehr Eisen aus Nahrungsmitteln auf als bei Nicht- Betroffenen. Das passiert als Reaktion des Körpers auf die Blutarmut.6
       
      Eisenchelatoren

      Zu viel Eisen im Körper ist ein Problem, da unser Körper überschüssiges Eisen nicht ausscheiden kann.1 Dieses Eisen sammelt sich dann in Organen wie Herz und Leber und kann dort Schäden verursachen.1 Um bei transfusionsabhängiger Beta-Thalassämie einen Überschuss an Eisen zu vermeiden, verschreibt Dir Deine Ärztin oder Dein Arzt wahrscheinlich ein Medikament, das Eisen bindet (ein sogenannter Eisenchelator). Das an Chelatoren gebundene Eisen kann dann über den Urin oder den Darm ausgeschieden werden. Es gibt verschiedene Arten von Eisenchelatoren: Einige werden als Tabletten verabreicht, andere als Injektion oder Infusion.1,2 Dein Behandlungsteam kann mit Dir zusammen entscheiden, welcher Eisenchelator am besten zu Dir passt.

      Sicher kann es hin und wieder passieren, dass Medikamente vergessen werden. Eisenchelatoren müssen oft eingenommen werden. Es ist deshalb sehr wichtig, dass Du einen Weg findest, Dich an Deine Medikamente zu erinnern. Möglich wäre da zum Beispiel eine Erinnerung auf dem Smartphone.

      Wenn Du immer wieder Probleme hast, an Deine Medikamente zu denken, besprich das mit Deinem Behandlungsteam oder schau bei einer Patientenorganisation wie der DEGETHA vorbei. Frage dort nach, welche Tipps andere Betroffene haben, um ihre Medikamente nicht zu vergessen.

      Die Ziele der Eisenchelat-Therapie sind1:

      • Verhinderung einer Eisenüberladung
      • Vorbeugung von erhöhten Eisenwerten
      • schnelle Notfalltherapie zur Eisenbindung im Fall einer Herzattacke
       

        Eine Stammzelltransplantation ist derzeit die einzige Möglichkeit, den Verlauf der transfusionsabhängigen Beta-Thalassämie langfristig zu verbessern.1

        Eine Stammzelltransplantation kann die Symptome der Beta-Thalassämie langfristig lindern und ist bei einem Verlauf derzeit der einzige Therapieansatz, der die Erkrankung heilen kann. Stammzelltransplantationen sind nicht für alle Betroffenen eine Option, da man immer erst einen geeigneten Stammzellspender finden muss. Dieser kann in 25–30 % der Fälle im Verwandtenkreis gefunden werden.2 Idealerweise sollte eine Stammzelltransplantation noch im Kindesalter erfolgen, wenn die Auswirkungen der Eisenüberladung noch nicht so stark sind.1

        Bei einer Stammzelltransplantation erhält der oder die Betroffene mit Beta-Thalassämie Stammzellen aus dem Knochenmark eines gesunden Spenders. Damit der Körper die fremden Stammzellen annimmt, ist es wichtig, dass das genetische Profil von Spender und Empfänger sehr ähnlich ist7 – leider kommt das nur selten vor. Aus den Stammzellen eines Spenders können sich dann im Körper eines Betroffenen mit Beta-Thalassämie gesunde rote Blutkörperchen entwickeln.

        Vor der Transplantation sind mehrere Behandlungen notwendig. Der Körper des Empfängers muss auf die fremden Stammzellen vorbereitet werden. Darüber hinaus möchte man sichergehen, dass der oder die Betroffene mit Beta-Thalassämie später auch von den gesunden roten Blutzellen profitiert. Diese Vorbereitung wird „Konditionierung“ genannt und besteht aus Behandlungen wie einer Chemo- oder Strahlentherapie.8 Ebenso müssen nach einer Transplantation eine gewisse Zeit lang Medikamente eingenommen werden, die verhindern, dass der Körper die fremden Stammzellen abstößt. Das Ziel einer Stammzelltransplantation ist es, dass der Transplantatempfänger fähig ist, trotz Beta-Thalassämie eigene rote Blutkörperchen in ausreichender Menge und Funktion herzustellen, und keine Bluttransfusionen mehr benötigt.

          Ein künstlich hergestelltes Eiweiß kann bei erwachsenen Menschen mit Beta-Thalassämie die Anzahl der roten Blutkörperchen erhöhen.

          Ziel dieser Beta-Thalassämie-Therapie ist die Reduzierung der Transfusionstermine und der Eisenüberladung für die Betroffenen sowie die Reduzierung der benötigten Transfusionen.

          So kann sich die Erkrankung auswirken - hier schildert Kostas seine Erfahrungen.

          Zwei Computer-Tabs

          Ressourcen-Hub

          Unsere Unterlagen zum Herunterladen helfen Euch dabei, Euer Leben mit Beta-Thalassämie zu meistern.

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            1. Farmakis D, et al. 2021 Thalassaemia International Federation Guidelines for the Management of Transfusion-dependent Thalassemia. Hemasphere. 2022; 29; 6(8): e732.
            2. Galanello R, Origa R. Beta-thalassemia. Orphanet J Rare Dis. 2010; 5:11.
            3. DeLoughery TG. Iron Deficiency Anemia. Med Clin North Am. 2017;101(2):319–332.
            4. Jankowska EA, et al. Iron deficiency and heart failure: diagnostic dilemmas and therapeutic perspectives. Eur Heart J. 2013; 34(11): 816–829.
            5. Santiago P. Ferrous versus ferric oral iron formulations for the treatment of iron deficiency: a clinical overview. Scientific World Journal 2012; 2012: 846824.
            6. https://www.amboss.com/de/wissen/Thalass%C3%A4mie Letzter Aufruf: 02.02.2023
            7. Strocchio L, Locatelli F. Hematopoietic Stem Cell Transplantation in Thalassemia. Hematol Oncol Clin North Am. 2018; 32(2): 317–328.
            8. Mulas O, et al. Conditioning Regimens in Patients with β-Thalassemia Who Underwent Hematopoietic Stem Cell Transplantation: A Scoping Review. J Clin Med. 2022; 11(4): 907.